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Inhaltsübersicht

 

  • Katharina Ley
    Mehr ist nicht genug
    Frauenarbeit heute und morgen

 

  • Ruth Hungerbühler
    Haus- und Familienarbeit

 

  • Li Hangartner
    Feminisierung der Armut
    Die ökonomische Verelendung von Müttern ist die Bereicherung von Vätern

 

  • Renata Caviglia und andere
    Erfahrungsberichte
    Doppelbelastet – Ausgesteuert – Nein, ich arbeite nicht gern

 

  • Bettina Kurz
    Gewerkschaftliche Frauenarbeit

 

  • Sigrun Holz
    «Die Lage ist ernst, die Zukunft unsicher, aber wir sind schliesslich auch noch da.»
    Annäherung an einen feministisch-theologischen Arbeitsbegriff

 

  • Eidg. Komission für Frauenfragen, André Gorz, Maria Mies
    Thesen zu einem neuen Arbeitsbegriff
    Ausdehnung des Arbeitsbegriffs – Jenseits von Arbeitsutopie und Arbeitsmoral – die öko-feministische Gesellschaft

 

  • Silvia Strahm Bernet
    Glosse

 


EDITORIAL

Cornelia Jacomet

Im Union Nation Report, der 1980 erschienen ist, lese ich, dass Frauen fast zwei Drittel aller Arbeitsstunden leisten, aber nur ein Zehntel des Welteinkommens erhalten und weniger als ein Hundertstel des Eigentums der Weit besitzen. In, den letzten zehn Jahren hat sich die Lage der Frauen weltweit gesehen nicht etwa verbessert, sondern verschlechtert. Diese Zahlen sprechen für sich. Männer leisten ein Drittel aller Arbeitsstunden, erhalten neun Zehntel des Welteinkommens und sind im Besitz von 99 Hundertstel des Eigentums in der Weit. Über diese offensichtliche Ungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern hinaus, machen mich die Zahlen nachdenklich, weil ich weiss, dass das Verhältnis zwischen Arbeitsstunden, Einkommen und Vermögen sich je nach geografischer Lage, ethnischer Zugehörigkeit, Schicht und Klasse sehr verändern kann. Zwar werden auch europäische Frauen ausgebeutet, sie nehmen aber ihrerseits teil an der Ausbeutung anderer Frauen, besonders der Frauen in der Dritten Welt sowie der Dritten Weit ganz allgemein. Doch bleiben wir einmal dabei, dass zwei Drittel aller Arbeitsstunden von Frauen geleistet werden. Weiche Arbeit ist da gemeint? Ist es nur die Lohnarbeit oder ist in diesen Zahlen auch all die Arbeit eingeschlossen, die Frauen gratis z.B. im Haushalt für die Familie leisten? In der Schweiz nämlich erscheint die unbezahlte Arbeit nicht in den offiziellen Statistiken und frau kann sich damit auch keinen eigenständigen Anspruch auf Sozialleistungen erwirken. Laut Frauenatlas liegt der Anteil der Arbeit, die Frauen leisten, noch um einen Drittel höher In den meisten Ländern wächst die Zahl der Frauen, die neben der unbezahlten Arbeit noch Lohnarbeit verrichten, weit sie keine andere Wahl haben, wenn sie überleben wollen. Oder sie tun es, damit sie unabhängig sein können, weil sie unabhängig sein wollen. Aber kaum jemand nimmt den Frauen die Arbeit im Haus, die Arbeit mit den Kindern ab. Seit einiger Zeit ist die wirtschaftliche Lage der Frauen in der ganzen Weit vom Weltmarkt abhängig. Das verbindet Frauen. Auch im Kampf gegen das Patriarchat haben

Frauen der ganzen Weit Gemeinsamkeiten. Frauen müssen sich daher mit Frauen auf der ganzen Weit solidarisieren, wenn sie um ihre Rechte und Chancen und damit um ihre Würde auch im Bereich der Arbeit kämpfen. Trotz weltweitem Kampf ist die kritische Betrachtung der Arbeitssituation der Frauen und ihre Veränderung hin zur Gerechtigkeit im eigenen Land und im persönlichen Lebensbereich wichtig und dringend.