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Inhaltsübersicht

  • Editorial
  • Doris Strahm
    Über Grenzen hinaus denken
    Zwanzig Jahre Arbeit als feministische Theologin
  • Li Hangartner
    Vom „nicht hier“ des Ortes
  • Monika Hungerbühler
    Ich tue immer noch und immer wieder dasselbe
  • Silvia Strahm Bernet
    Auf Stelzen gehen
  • Jacqueline Sonego Mettner
    Frei zu lieben
  • Ursula Vock
    Um-werten und Wert-schätzen
  • Irina Bossart
    Theologie ist Biographie oder: Nähe und Distanz
  • Susanne Schneeberger Geisler
    Ihr Frauen seid mitgemeint …
    Als feministische Theologin in der Väterwelt Kirche

EDITORIAL


Doris Strahm für das Redaktionsteam

Am Anfang stand eine Idee, ausgeheckt am gemeinsamen Mittagstisch: Carmen Jud, Silvia Strahm Bernet und Doris Strahm, drei katholische feministische Theologinnen, wollten eine Organisation von feministischen Theologinnen in der Schweiz gründen, um ihre Interessen und Forderungen als Frauen gegenüber einer patriarchalen Institution wie der Kirche gemeinsam vertreten zu können. Sie luden deshalb im Frühling 1983 zu einem Treffen nach Luzern ein.

Die Gewerkschaftspläne scheiterten; stattdessen bildete sich eine Gruppe von Frauen, die ein Bulletin herausgeben wollten – als Drehscheibe für Informationen, feministisch-theologischen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, Vernetzung. Von 1983 bis 1984 erschien das „Bulletin der theologischen Frauen-Web- und Werkstatt“ viermal im Jahr, auf rosarote Blätter gedruckt, in einer Auflage von 300 Exemplaren.

Im Oktober 1984 gründeten die Frauen der Bulletin-Redaktion – Monika Berger, Monika Hungerbühler, Cornelia Jacomet, Carmen Jud, Silvia Strahm Bernet, Doris Strahm und Regula Strobel – dann den Verein FAMA und wagten den grossen Schritt von einem hektographierten Blättchen zu einer richtigen, gedruckten Zeitschrift. Die FAMA, die erste und bis heute einzige autonome feministisch-theologische Zeitschrift der Schweiz, war geboren.

Der Name FAMA – lateinisch: Gerücht, öffentliche Meinung, Rede, guter oder schlechter Ruf – war Programm: Die Herausgeberinnen wollten sich einmischen in die öffentliche Diskussion, ihre Meinung kundtun als feministische Theologinnen, Themen aufgreifen, die in der (kirchlichen) Männerpresse keinen Platz hatten. Die FAMA wollte zudem Forum und Netzwerk sein für Frauen, die den Aufbruch wagten aus einer von Männern geprägten Kirche und Gesellschaft, wollte Informationen anbieten und Verbindungen weben.

Ehrenamtlich von sieben und ab 1986 von acht Frauen (Li Hangartner kam neu dazu) herausgegeben, welche die Themenhefte planten und konzipierten, die Artikel vergaben und zum Teil selber schrieben, die Texte redigierten und das Layout von Hand klebten, erschien die FAMA von da an viermal im Jahr in einem Umfang von 20 Seiten.
Verändert hat sich in den folgenden Jahren das Layout (seit 1991 dreispaltig statt zweispaltig, die Auflage (von 500 auf 1500) sowie das Redaktionsteam. Nach und nach traten einzelne der Gründerinnen aus dem Redaktionsteam aus, jüngere Frauen kamen neu dazu: Barbara Seiler (1989-2003); Dorothee Dieterich (1993-1999); Barbara Lehner (1996-1999); Ursula Vock (seit 1996); Jacqueline Sonego Mettner (seit 1997); Irina Bossart (seit 2000); Susanne Schneeberger Geisler (seit 2001).
Von den Gründerinnen sind bis heute weiterhin drei mit dabei: Monika Hungerbühler, Silvia Strahm Bernet und Doris Strahm.

Neben der Verjüngung des Redaktionsteams wurde gleichzeitig auch ein Gleichgewicht zwischen katholischen und reformierten Theologinnen angestrebt. Die Redaktorinnen, zur Zeit acht, decken ein breites Spektrum von beruflichen Tätigkeiten ab: Pfarrerin, Zeitungskolumnistin, Gymnasiallehrerin, Dozentin, Seelsorgerin, Leiterin einer kirchlichen Frauenstelle, Publizistin, Bibliothekarin, Familienfrau, Fachstellenleiterin OeME, Erwachsenenbildnerin, Buchautorin, Präsidentin einer feministischen Friedensorganisation und vieles mehr.

Ein Professionalisierungsschub fand 1997 mit der Umstellung auf Computer-Layout statt, das an eine Fachfrau (Esther Kälin Plézer) abgegeben wurde und bezahlt wird. Seit dem Sommer 2001 liegt auch die Administration der FAMA in externen Händen (Susanne Wick). Die Redaktorinnen arbeiten weiterhin ehrenamtlich, während die Autorinnen ein bescheidenes Spaltenhonorar von 20 Franken erhalten. Und seit einigen Jahren verfügt die FAMA neu auch über eine informative eigene Homepage (www.fama.ch), die von Barbara Seiler gestaltet und betreut wird.

Dass die FAMA als autonomes Frauenprojekt, das sich ausschliesslich aus Abos und Spenden finanziert, nun bereits 20 Jahre besteht, werten wir Redaktorinnen als Erfolgsgeschichte. Wir arbeiten noch immer mit Lust und Engagement – manchmal allerdings an den Grenzen unserer zeitlichen Kapazitäten – an unserem autonomen Zeitungsprojekt, greifen aus feministischer Sicht gesellschaftspolitische und theologische Themen auf, die uns interessieren und über die wir gerne etwas lesen würden. Noch immer reden wir uns an unseren Redaktionssitzungen die Köpfe heiss, haben mehr Ideen im Kopf als Platz im Heft und verbringen einen Teil unserer Freizeit mit der Suche nach Autorinnen, dem Redigieren von Artikeln, dem Korrekturlesen der Druckfahnen …

In den zwanzig Jahren hat sich aber auch manches verändert: nicht nur die FAMA und wir selbst, sondern auch das gesellschaftliche und kirchliche Umfeld. Die feministische Theologie wirft nicht mehr so grosse Wellen wir vor 20 Jahren. Wir Redaktorinnen nehmen den 20. Jahrgang der FAMA deshalb zum Anlass für einen Rückblick auf 20 Jahre feministische Theologie. Ausgangspunkt ist dabei unsere eigene Biographie, unsere subjektiven Erfahrungen und Geschichte(n) mit der feministischen Theologie. In unseren Beiträgen gehen wir den Fragen nach, was sich in diesen 20 Jahren verändert hat, welche Fragestellungen uns wichtig geworden, welche verschwunden sind und ob und wie die Beschäftigung mit feministischer Theologie unser Denken und Arbeiten geprägt hat.

Bebildert haben wir unser Jubiläumsheft mit einigen FAMA-Titelbildern der vergangenen Jahre, um uns und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, etwas von der Fülle und der Vielfalt der Themen in Erinnerung zu rufen, die wir in den 20 Jahren aufgegriffen haben.

Und wie es sich für einen Geburtstag gehört, haben wir uns auch beschenken lassen: mit Gratulationen von Schwester-Zeitschriften und -projekten sowie mit Echos von Leserinnen und Lesern. Die Wertschätzung und Anerkennung unserer Arbeit, die uns daraus entgegenkommen, freuen uns sehr und geben uns Energie zum Weitermachen. Den GratulantInnen und allen treuen FAMA-LeserInnen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt!

P.S. Zur Feier unseres Jubiläums haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen: einen feministisch-theologischen und kulturgeschichtlichen Stadtrundgang am 29. August in Luzern (vgl. dazu Genaueres auf der Rückseite des Heftes). Der von vier FAMA-Redaktorinnen konzipierte Rundgang soll auf anschauliche und originelle Weise alte und neue Themen feministischer Theologie vorstellen und zudem ein Stück FAMA-Geschichte widerspiegeln. Wir hoffen damit auch neue LeserInnenkreise ansprechen zu können, um unsere leicht schwindenden Abozahlen aufzufangen.