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Inhaltsübersicht

Im Herbst 2006 erschien die Bibel in gerechter Sprache, ein dreiviertel Jahr später kam die Zürcher Bibel 2007 auf den Markt. Seitdem hat sich an manchen Orten eine neue Kultur des Bibellesens entwickelt. Ein Kanon von umstrittenen und besonders sorgfältig zu lesenden Bibelstellen ist im Entstehen. Sogenannte LaInnen werden zu ExpertInnen im Übersetzungsvergleich. Eine Erwartung liegt in der Luft, ungeahnte Dinge in der Bibel zu finden. Die neue FAMA-Nummer Nimm und Lies! ist aus dieser Kultur entstanden und beleuchtet sie sympathisierend, kritisch und manchmal mit einem Schmunzeln. Luzia Sutter Rehmann, Ulrike Sals, Angela Wäffler u.a. berichten von Fragen, Emotionen, Haltungen und Erfahrungen rund ums Bibelübersetzen.

  • Editorial
  • Christine Stark
    Wie das Kind zur Jungfrau kam
    Bibellektüre und Traditionsbildung
  • Ulrike Sals
    Tanzende Buchstaben – bewegender Sinn
  • Luzia Sutter Rehmann
    Landnahme
    Reflexionen einer Übersetzerin der Bibel in gerechter Sprache
  • Tania Oldenhage
    Harte Arbeit   

    Vom Bibellesen in Zeiten der Übersetzungsdebatten
  • Angela Wäffler-Boveland
    Söhne und Töchter
    Die Zürcher Bibel feministisch gelesen
  • Kerstin Rödiger
    Wagnis – Chance – Herausforderung

    Historisches zur Bibelübersetzung
  • FAMA-Leser_innen
    Leseerfahrungen mit der BigS

EDITORIAL

Tania Oldenhage

Haben Sie schon einmal die Bibel aufgeschlagen auf gut Glück, um zu sehen welcher Vers Ihnen entgegenspringt? Kennen Sie die leise Hoffnung, jener Vers möge ganz besonders bedeutungsvoll sein – so wie es beim heiligen Augustin der Fall war? «Nimm und lies!» hörte er eine Stimme rufen. Augustin nahm die Paulusbriefe zur Hand, las die Stelle, auf die sein Blick als erstes fiel – und änderte sein Leben. Im Herrenhuter Losungsbuch ist die Begegnung mit ausgewählten Bibelversen zur Kultur geworden. LeserInnen finden jeden Morgen zwei Bibelverse, manche sind schwierig, manche unbekannt – aber alle scheinen bedeutungsschwer zu sein – «Gottes Wort für jeden Tag».
Eine etwas andere Erfahrung machen Jugendliche, die sich anlässlich ihrer Konfirmation aus einer langen Liste von Bibelversen jenen einen aussuchen müssen, der zu ihnen spricht und zu ihnen passt. Reformierte PfarrerInnen stehen ab und zu vor demselben Problem: Welcher Bibeltext soll nun mein Predigttext sein? Wo finde ich im unerschöpflichen Reservoir der Bibel den einen Text, der den Puls der Zeit trifft?
Die Bibel ist natürlich auch ganz anders lesbar. Als Theologiestudentin musste ich sie einmal von vorne bis hinten durchlesen. Die Erinnerung daran lässt mich erschauern. Neidisch schaue ich auf die lesende Maria, die so hingebungsvoll in ihrem heiligen Buch versunken ist.
Vor etwa einem Jahr erschien die Bibel in gerechter Sprache, ein dreiviertel Jahr später kam die Zürcher Bibel 2007 auf den Markt. Mir scheint, dass sich in dieser Zeit eine neue Kultur des Bibellesens entwickelt hat. Ein Kanon von umstrittenen und besonders sorgfältig zu lesenden Bibelstellen ist im Entstehen. Sogenannte LaInnen werden zu ExpertInnen im Übersetzungsvergleich. Eine Erwartung liegt in der Luft, ungeahnte Dinge in der Bibel zu finden. Die folgenden Beiträge sind aus dieser Kultur entstanden und beleuchten sie sympathisierend, kritisch und manchmal mit einem Schmunzeln.