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Inhaltsübersicht

We care – es lässt uns nicht kalt. Und darum schauen wir hin und fragen nach, wer für wen sorgt, wer sich kümmert und zu welchem Lohn. Aspekte von Sorgen über Grenzen hinweg, als Fürsorge verstanden oder als als Kostenfaktor werden im Heft reflektiert und führen ein in die aktuelle feministische Care-Diskussion.

  • Editorial
  • Jacqueline Sonego Mettner
    Neue Bedeutsamkeit

    Existenzielle, religiös-spirituelle Aspekte von Care
  • Sabin Bieri
    Grenzenlose Sorge
    Globalisierte Care-Arbeit
  • Regula Schär
    Berufung oder Beruf

    Krankenpflege in der Schweiz – ein geschichtlicher Abriss
  • Ursula Rapp
    «Damit du lange auf deinem Land lebst …»

    Respekt und Vorsorge im ersten Testament
  • Christa Schnabl
    Gerecht sorgen

    Zur Fürsorge als Schlüsselbegriff feministischer Ethik
  • Ulrike Knobloch
    Was wollen wir uns leisten?

    Verteilung und Vergütung von Versorgungsarbeit
  • Esther Burri
    Mutter

EDITORIAL

Susanne Schneeberger Geisler

Care wird weltweit geleistet. Ob ein Mädchen stundenlang Wasser schleppt für die Familie, ob eine Frau ihre alternden Eltern versorgt, Kinder wickelt, für ihre Freunde kocht oder intensiv zuhört. Alles ist Care. Care ist die Basisarbeit auf der das menschliche Zusammenleben und damit die ganze Gesellschaft aufbaut und funktioniert. Care-Arbeit geht nie aus. Sie braucht viel Zeit, wird vor allem unbezahlt oder schlecht bezahlt geleistet, hauptsächlich von Frauen.
Care ist oft Schattenarbeit. Sie bleibt unsichtbar, unscheinbar, ist oft repetitiv, eine Notwendigkeit, die gemacht werden muss, ohne gesellschaftliche Anerkennung, ohne Bedeutsamkeit für Beruf und Karriere. Care wird von Frauen für andere Menschen geleistet, ist nicht durch Maschinen oder Roboter ersetzbar, höchstens von Migrantinnen aus dem Süden, für erwerbstätige Frauen im Norden. Offensichtlich selten von Männern für Frauen.
Care zeigt deutlich, dass wir Menschen aufeinander angewiesen sind, in Beziehungen leben und dass Phasen der Abhängigkeit mit Phasen von starker Autonomie sich abwechseln. Care verweist auf Grenzen, auf Verletzlichkeit und Endlichkeit menschlicher Existenz.
Auch wird Care-Arbeit ökonomisch nicht ausgewiesen. Sie taucht nicht auf in den Wirtschaftsstatistiken, wird nicht als Leistung angerechnet für die Altersabsicherung oder im Falle von Erwerbslosigkeit. In der Logik des Marktes, welche unser Leben zutiefst durchdringt, hat Care kein grosses Gewicht, da sie nicht produktiv ist. Produktivität kann gemessen werden, doch Care produziert wenig Messbares.
Und trotzdem ist Care wichtiger als jede Produktivität.
Im guten Fall produziert Care nämlich Glück und Freude, Beziehung, Vertrauen, Verbindlichkeit, Liebe, Schönheit und Würde. Care stiftet Sinn. Sie ist die Grundlage auf der Selbstbewusstsein, Autonomie und Freiheit wachsen kann und so ist sie Teil der täglichen Neuschöpfung der Welt.
Übrigens: Care ist in der Natur auch eine Notwendigkeit, zwischen Müttern und Kindern, ebenso in Gruppen von Gleichaltrigen (siehe Bilder).