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Inhaltsübersicht

Jesus am Kreuz, den Foltertod sterbend: die zentrale bildliche Darstellung christlichen Glaubens schlechthin. Was aber löst es aus, wenn plötzlich eine Frau am Kreuz hängt? – Die erste FAMA im neuen Jahrzehnt widmet sich dem Jahrhunderte alten irritierenden, aufwühlenden, für Empörung sorgenden und doch immer wieder auftauchenden Bild der gekreuzigten Frau.

  • Editorial
  • Ursula Vock
    Die Frau am Kreuz

    Ein Skandal
  • Silvia Arzt
    Die Gekreuzigte 

    Skandal, Blasphemie – Herausforderung?
  • Susanne Schneeberger Geisler
    Vom Schatten ins Licht

    Kreuzeserfahrungen guatemaltekischer Indigenas
  • Christine Stark
    Lieben bis in den Tod 

    Das Ungeheuerliche am Film «Breaking the Waves»
  • Annemarie Korte
    Madonna am Kreuz

    Eine feministisch-theologische Perspektive
  • Tania Oldenhage
    Die Wehenschmerzen Jesu 

EDITORIAL

Esther Kobel

Lange, schlanke und gewellte Holzlatten, lose zusammengefügt, waagrecht und senkrecht, vorne oben rechts an der breiten Backsteinwand in der Kirche hängend. Viele Gottesdienststunden lang habe ich das stilisierte Kreuz im Gotteshaus meiner Kindes- und Jugendjahre betrachtet und mich gefragt: «Was soll das – dieses wackelig zusammengeschusterte Kreuz?» Als Kinder mussten meine MitschülerInnen und ich erst darauf kommen – respektive vom Pfarrer erfahren –, dass es um das gleiche Kreuz geht, an dem anderswo ein Jesus hängt. Unter dem Gewicht eines Menschen würde es glatt zusammenbrechen, so schien mir. Mit der Zeit realisierte ich, dass und wie die Kreuzigung Jesu, dieses für das Christentum grundlegende Ereignis, hier künstlerisch dargestellt verdaubar gemacht wurde. Es ist ein Beispiel dafür, wie der Stachel des Christentums abgeschliffen werden kann. Und dieses Kreuz ist kein Exot seiner Sorte. Es ist in bester Gesellschaft mit allen anderen Kreuzen, die nicht mehr kratzen, weil sie schön sind – und leer.
Ein Kreuz mit dem blutenden und dornengekrönten Jesus daran aufgenagelt, vermag vielleicht noch anstössig wirken und dadurch etwas Aufmerksamkeit erheischen. Aufsehen wird es aber dennoch kaum je erregen. Zu sehr haben wir uns an die vielfältigen Formen und Varianten des Mannes Jesus am Kreuz gewöhnt. Wie anders ist es aber, wenn plötzlich eine Frau an Jesu Stelle hängt? Wenig bekannt zwar, aber doch schon vor Jahrhunderten, wurde sie künstlerisch dargestellt: eine Frau am Kreuz. DIE Frau am Kreuz? Jesus als Transsexueller oder eine reale Frau, die blasphemisch den Platz des wahrhaft Leidenden eingenommen hat? Anstoss und Empörung für die einen, das grosse ENDLICH des Wahrgenommenwerdens für andere, Anlass zum Aufmerken und Nachdenken für die meisten.
Zum Nachdenken und Betrachten möchte auch dieses Heft einladen. Die Bilder stammen aus verschiedenen Epochen und repräsentieren ein Spektrum von Genres: von Gemälden über Skulpturen bis zum Filmstill. Ebenso vielfältig sind die Beiträge zu Darstellungen gekreuzigter Frauen in der älteren und jüngeren Geschichte und die Artikel zu Kreuzeserfahrungen von Frauen.

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