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Inhaltsübersicht

Das Streben nach grösstmöglicher Sicherheit ist in unserer Gesellschaft zentral. Kaum mehr ein Lebensbereich, der nicht vom Sicherheitsaspekt betroffen, wenn nicht bestimmt ist. Was bedeutet Sicherheit für ein Individuum, für bestimmte Lebenszusammenhänge und Gemeinschaften? Welche Folgen hat heutiges Sicherheitsbedürfnis für das Leben der Menschen und was ist der Preis für immer grössere Sicherheit? Die Sommernummer der FAMA greift das Thema theologisch, biblisch, friedens- und sozialpolitisch auf und verknüpft ihre Fragestellungen mit Erfahrungen aus verschiedenen Alltagswelten.

  • Editorial
  • Nesina Grütter
    Sorglose Frauen und sichere Töchter
  • Ina Prätorius
    Am besten jemanden fragen…
  • Monika Stocker
    Die (fehlende) Ökonomie der Sorgfalt
  • Sabine Friederich
    Sicher

    Mit einer neuen Lunge leben
  • Yvonne Waldboth
    Wir «Guten» und die «Bösen»

    Gewalterfahrungen und ihre Folgen
  • Franziska Müller
    Menschliche Sicherheit
    Spielraum oder Falle für die feministische Friedenspolitik?
  • Friederike Osthof
    Sicherheit im Glauben?

    Theologische Überlegungen einer Hochschulpfarrerin
  • Menschen am Berg 
    Auswahl aus einem Buch von Melanie Mühl, zusammengestellt von J. Sonego Mettner

EDITORIAL

Simone Rudiger

«Zu Ihrer Sicherheit wird dieses Geschäft mit Kameras überwacht.» Es gibt kaum mehr einen Ort, wo ein solches Hinweisschild nicht zu finden ist: Ob im Tram, am Bahnhof, im Restaurant oder im Gartenbad, big brother’s Auge folgt mir fast überall hin. Scheint’s wohne ich in einer Stadt, welche die grösste Kamera-Dichte der Schweiz aufweist. Und zu meiner Sicherheit werden noch viele andere Massnahmen ergriffen: Am Bahnhof patrouilliert regelmässig Sicherheitspersonal. Vor und nach einem Fussballmatch steht nicht selten eine halbe Kompanie gepanzerter Polizisten Spalier, wenn ich den Bahnhof verlassen will. Dass ich mich dabei nicht besonders sicher fühle, ist vielleicht nur mein Problem.
Zur Sicherheit eines Staates werden Mauern gebaut – physische oder administrativ-rechtliche – Telefongespräche, Internetaktivitäten und E-Mail-Kontakte überwacht.
Dem Argument «für die Sicherheit unserer BürgerInnen» ist kaum etwas entgegen zu setzen: Wer will schon die Behörden daran hindern, ihre Pflicht wahrzunehmen? Wer wollte denn die Verantwortung tragen, wenn doch etwas passiert?
Gefahren lauern überall, anscheinend, ich frage mich nur, ob wir sie tatsächlich auf diese Weise bannen können. Wenn allerlei Überwachungsmethoden zunehmend erlaubt werden, wenn Daten gesammelt, gespeichert und wer weiss wie und wofür irgendwann verwendet werden können, dann zahlen wir für unsere angebliche Sicherheit einen hohen Preis: Angst einerseits und Kontrollwahn im Namen der Sicherheit auf der anderen Seite, hemmen viele Menschen. Dem Ruf nach Sicherheit werden zunehmend BürgerInnenrechte wie Selbstbestimmung und Freiheit geopfert.
Die Überwachungsmassnahmen zur Sicherung des öffentlichen Raums, von Staat und BürgerIn sind Aspekte unter vielen, die zum Thema Sicherheit zu denken geben.
Der Wunsch nach grösstmöglicher Sicherheit und dem Ausschalten jedes nur vorstellbaren Risikos begleitet Menschen unserer Zeit das Leben lang: Es beginnt beim Feststellen einer Schwangerschaft oder schon beim Planen einer solchen und endet am Sterbebett eines Menschen bzw. im Hinblick darauf. Immerhin, was danach kommt, bleibt einstweilen noch unklar. Ist dieses Verhalten Ausdruck des Versuchs, das Bewusstsein der grundsätzlichen Bedrohtheit allen Lebens zu verdrängen? Dass dieses Leben, unser individuelles, aber auch global gesehen das Leben auf dem grün-blauen Planeten Erde, bedroht ist, sollte uns aber besser immer bewusst bleiben. Wir dürfen uns angesichts aller Sicherheitsvorkehrungen nicht zu sicher fühlen.