vergriffen

Inhaltsübersicht

Pia Moser
„Wo betest du?“
Erfahrungen in Tansania

Jasmin El Sonbati
„Muslimin, selbstverständlich!“
Leben, Denken und Glauben als Muslimin in der Schweiz

Christine Stark
Alles lila oder was?
Farbe bekennen

Dorothee Dieterich
Bekennen oder kenntlich werden?
Anmerkungen zum Bekenntnisprojekt der reformierten Kirchen

Die Redaktorinnen der FAMA
Apostolisch

Jacqueline Sonego Mettner
Bekennende Kirche heute
Eine Problemstellung

Helen Schüngel-Straumann
Frauenworte – Zukunftsworte
Biblische Bekenntnisse

Béatrice Bowald
Ich bekenne – also bin ich
Nachdenkliches zur medialen Bekenntnisflut


Editorial

Béatrice Bowald

«Wie hast du’s mit der Religion?», fragt Gretchen in Goethes Faust. Kein Wunder, windet er sich bei dieser Frage, geht es doch ans Eingemachte. Ans Eingemachte geht es auch bei den Reformierten. Landauf, landab soll darüber nachgedacht und debattiert werden: «Braucht die Kirche ein Bekenntnis?» Katholisch sozialisiert war für mich ein solches unhinterfragter Bestandteil wie andere Gebete. Das ritualisierte Mitbeten hat sich, angestossen durch die feministische Theologie, zu einem bewusst reflektierenden Mitsprechen gewandelt. Feministische oder befreiungstheologische Credos sind da zugänglicher und ansprechender.
Die grundlegend gestellte Frage fordert aber heraus. Braucht es das, ein Credo? Und wenn ja, welches? In einer Zeit, in der es in den Medien nur so von Bekenntnissen wimmelt, die kaum hinterfragt werden, ist hier ein Prozess der Selbstverständigung und des Farbe Bekennens angesagt. Welches ist mein, unser Glaubensgrund? Auf die Einzelne bezogen bedeutet das: Wie verstehe ich mich als Christin? Eine Frage, die analog auch Musliminnen, Jüdinnen oder Andersgläubige beschäftigt. Dabei ist nicht unwesentlich, durch welche Umstände sie sich mir stellt. Geht es mir um meine Identität, oder muss ich mich – wohl oder übel – mit einer an mich herangetragenen Identi zierung auseinandersetzen? Bei den Kirchen bedeutet die Frage, welches Gesicht sie ihrer christlichen Glaubensgemeinschaft geben. Die Konturen ermöglichen eine Identifizierung – von aussen wie für jene, die sich zu ihr zählen und sich hier beheimatet fühlen. Alles entscheidend wird dabei sein, wer hier unter welchen Bedingungen Platz findet.

Auf dem Spiel steht nichts weniger, als glaubwürdig für das einzustehen, was unterschiedslos allen Menschen zugesagt ist: Befreiung zu einem Menschsein in Freiheit und solidarischem Miteinander. Davon erzählen auf ihre Weise auch die Bilder in dieser Nummer. Indem Frauen gegen Benachteiligung und Unrecht Widerstand leisten, eröffnen sie sich selbst und ihrem Umfeld eine menschlichere Zukunft. Die Herausforderung für uns besteht darin, diese Botschaft immer neu in den jeweiligen Kontext hinein zu übersetzen und konkret werden zu lassen. Wozu bekenne ich mich? Wozu bekennen wir uns?

2011_1 Ganzes Heft als PDF