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Inhaltsübersicht

Heutzutage ist Selbstentblössung sexy und entblösste Frauenkörper haben in der Werbung eine lange Tradition. Das feministische Herz könnte verzagen ob der Allgegenwart des sexy-ismus. Die FAMA hinterfragt die Trends und blättert in der Bibel. Und siehe da: Auch Gott kommt nackt und bloss auf die Welt und verlässt sie entblösst. Anderswo aber tritt Gott selbst als aggressiver Entblösser auf. Damit wird das Bild vom Liebengott als naiv entblösst und in Frage gestellt.

  • Editorial
  • Tania Oldenhage
    Sich ausziehen ist unhöflich
  • Antje Schrupp
    Die Norm der «Sexyness»
  • Barbara Eder
    Feministische Pornoproduktion
  • Corina Caduff
    Würde und Entblössung

    Darstellungen in Erinnerungsliteratur und Totenfotografie
  • Christine Stark
    «Ich will dich entblössen!»
    Eine abstossende Bibelstelle
  • Ulrike Büchs
    Der ausgezogene
  • Ursula Vock
    «Du schaust mich freundlich an»

    Ruts wagemutiger Weg zum Segen

EDITORIAL

Christine Stark

Eigentlich widersprüchlich, aber anzügliche Blicke sind nicht wirklich an-züglich. Sie ziehen niemanden an, sondern eher aus; und anzügliche Worte stellen bloss. Sehr oft sind es Frauenkörper oder weibliche Sexualität, die entblösst werden. Überhaupt ist nackte Haut zumeist weiblich, auch wenn männliche Models zunehmend nachziehen. Aber sollen wir denn jubeln über diese Art der Gleichstellung à la «Magersucht betrifft immer mehr Jungen»? Und darf frau sich heutzutage überhaupt über «zu viel nackte Haut» aufregen – oder gilt sie dann in unserer so unglaublich frei(zügig)en Gesellschaft nicht ganz schnell als verklemmt?
Auch im Feminismus liegt die Eindeutigkeit einer PorNo-Kampagne der Emma in den 1980er Jahren längst hinter uns. Vor lauter Diskutieren, Differenzieren und Queeren ist das mit den entblössten Körpern komplizierter geworden. Ein Grund mehr für die FAMA, sich damit zu beschäftigen! Wir waren überrascht, dass wir bei einem so allgemein gesellschaftlichen Thema gleich drei theologische Beiträge zusammengetragen haben. Sie setzen sich mit einer krassen prophetischen Bildersprache auseinander, durchleben mit Ruth eine gewagte Nacht und betrachten die Selbstentblössung Gottes. Ausserdem geht es in dieser Nummer um die Frage, ob es feministischen Porno geben kann, wie literarisch oder fotografisch mit verfallenden und toten Körpern umgegangen werden soll, was die allgegenwärtige Sexyness mit uns macht, und last but not least um unser geliebtes Hassobjekt, die Barbie.
Nicht dabei sind die Amazonen des 21. Jahrhunderts, die ukrainischen FEMEN. Sie schneiden sich die Brüste nicht ab, um besser kämpfen zu können, sondern strecken sie provokativ in die Kameras von JournalistInnen. Die Ukrainerinnen demonstrieren gemäss dem Motto «Ihr macht unseren Körper zum Objekt, wir machen ihn zur Waffe» spektakulär offenherzig für feministische Anliegen. Mit ihrer Selbstentblössung stellen sie anzügliche Blicke bloss. Allerdings gehören die plakativen Bilder ihrer Aktionen in Zeitungen und ins Internet. Unsere Bildstrecke ist subtiler und verdankt sich dem faszinierenden Buch «Die Hüterin des Weiss» (vgl. S.17). Wir haben die vieldeutigen Aufnahmen der Fotografin Brigitte Tast in einen stillen Dialog mit unseren Artikeln gestellt – zum Betrachten und Weiterdenken.