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Inhaltsübersicht

Gold kann aus Frauensicht spannende Fragen aufwerfen. Was genau bedeutet es beispielsweise, wenn sich Frauen heutzutage mit opulentem Goldschmuck behängen? Was genau ist damals passiert, als das angebliche Heilmittel «Frauengold» in der Nachkriegszeit eine ganze Generation erschöpfter Frauen aufbauen wollte? Aus welchen Gründen lassen sich Frauen in unserer Zeit auf die harten und gefährlichen Arbeitsbedingungen in westafrikanischen Goldminen ein? Auch das Gold in der Bibel stellt neue Fragen: Die goldene Stadt am Ende des Buchs der Offenbarung sowie die Königin von Saba werden geschlechterbewusst und sozialgeschichtlich beleuchtet. Schliesslich werden «Goldstandards» feministischer Theologie zur Diskussion gestellt. Vielleicht gibt es bei aller Vielfalt des feministisch-theologischen Denkens ja doch einige «goldene» Leitideen.

 

  • Editorial
  • Ingrid Riedel
    Gold
  • Nina Gamsachurdia
    Der heilige Schein
    Gold als kosmisches Licht
  • Kathrin Alder
    Schmuckstücke

  • Katja Werthmann
    Ausbeutung oder Chance?
    Frauenarbeit in westafrikanischen Goldminen
  • Judith Wipfler
    Sagenhaft
    Die Königin von Saba
  • Moni Egger
    Goldene Stadt

    Offenbarung 21-22 als erinnernde Vision
  • Jeannette Behringer
    Frauengold

    DamenDoping in unruhigen Zeiten
  • Sarah Jäger
    Befreiende Visionen
    «Goldstandards» feministischer Theologie

 

EDITORIAL

Im letzten Sommer bin ich einmal spät abends in einer fremden Stadt gelandet. In einem Hotel direkt beim Flughafen hatte ich ein Zimmer reserviert. Ich lief den kurzen Weg von der Gepäckausgabe zum Hotel, ging durch die grossen Glastüren und blieb stehen. Ein Meer von Gold glänzte mir entgegen. Goldene Leuchter, goldene Geländer, ein vergoldeter Fahrstuhl, goldglänzende Teppiche, goldgerahmte Bilder, goldene Tischpfosten. Ich stand überwältigt da. Für einen kurzen Moment wurde ich in eine andere Welt entrückt. Ich war eine Königin auf dem Weg in ihr Schloss. Es dauerte ein paar Sekunden, dann war ich wieder zurück auf der Erde.
Ich ging zur Rezeption, nahm die Plastik-Hotel-Schlüsselkarte entgegen, fuhr mit dem goldenen Aufzug in einen dunklen, staubigen Flur und arrangierte mich mit dem kleinen, stickigen Hotelzimmer.
Die Artikel dieser FAMA-Nummer haben mir geholfen, den für mich im Nachhinein sehr eigenartigen Moment im goldenen Hotel besser zu verstehen. Was sich meiner bemächtigte waren uralte Bedeutungsdimensionen der Farbe Gold, das genau genommen gar keine Farbe ist, sondern ein Glanz, ein Hinweis auf etwas Überirdisches, ein zeitloser Hintergrund göttlichen Geschehens, ein Produkt aussergalaktischer Explosionen, eine unerschöpfliche Kraftquelle, ein Zeichen dafür, dass nichts und niemand einer Frau etwas anhaben kann. Kein Wunder, dass mich das goldene Hotel verzaubert hat. Gleichzeitig wurde ich beim Lesen dieses Heftes daran erinnert, dass Gold eben doch nicht vom Himmel fällt.
Gold wird von Frauenhänden in harter Arbeit abgebaut und oft ist Gold ein Zeichen himmelschreiender Ungerechtigkeit auf Erden. Aber lesen Sie am besten selbst!
Eine Frage bleibt mir allerdings: Wenn ich ein Mann wäre, hätte ich mich auch verzaubern lassen? Wäre aus mir ein König geworden auf dem Weg in sein Schloss? Oder wäre ich cool und unbeeindruckt schnurstracks zur Rezeption marschiert?

Tania Oldenhage