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Inhaltsübersicht

«fragile» – mit diesem Etikett wird kostbare Fracht versehen, um unversehrt ihr Ziel zu erreichen. Ebenso kann die Note «fragile» Immateriellem anhaften. Der Mensch als Mensch ist von Natur aus zerbrechlich. Leib und Knochen werden fragil, und die Seele muss mit Verletzungen leben lernen. Aber auch zwischenmenschliche Beziehungen können in die Brüche gehen. Geschlechtergleichheit in kleineren und grösseren gesellschaftlichen Systemen ist – wenn sie überhaupt erreicht wird – in hohem Masse fragil. Mit ihrem gewohnt kritischen Blick lotet die FAMA Fragilitäten unseres Lebens aus.

 

  • Editorial
  • Moni Egger
    Fragiler Ball deiner Liebe
    Tango mit Gott
  • Jacqueline Sonego Mettner
    Ganz brüchig
    Ein behutsames Lob der Brüchigkeit
  • Christine Stark
    Vase mit Knacks
    Von der Zerbrechlichkeit der Liebe.
  • Jeannette Behringer
    Hauchdünn
    Wie gefährdet ist die Demokratie?
  • Birgit Dohlus
    Wie empfindlich das System Leben ist
    Geschlechtsunterschiede in der Medizin
  • Regula Grünenfelder
    Fragilität oder Eigeninteresse?

    Über den Preis der Anpassung.
  • Marianne Egger
    Brüchiges Leben
    Als Flüchtling in der Schweiz.
  • Nicole Medelin
    Wider das Zerbrechen

EDITORIAL

Fragilität ist das Gemeinsame an ganz unterschiedlichen und in ihren Folgen nicht abschätzbaren neueren Entwicklungen. Eurokrise und ihre Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Menschen, Alterung der westlichen Gesellschaften und Umgang mit Pflegebedürftigen, Migrationsbewegungen und schwindende Toleranz gegenüber Verschiedenheit, stetig wachsender Ressourcenverbrauch mit der Perspektive von Klimakatastrophen. Das sind nur einige wenige Brennpunkte, an denen sich zeigt, dass der bis vor kurzem in Europa als sicher geltende Zusammenhalt und die Decke der Zivilisation fragil geworden sind.
Das Etikett «fragil» auf einer kostbaren Fracht weist darauf hin, dass mit dem darin enthaltenen Gut sorgfältig umzugehen ist, damit es unversehrt an sein Ziel kommt. Das gilt auch für immaterielle Güter wie Werte und gesellschaftliche Übereinkünfte. Diese als fragil zu erleben und zu bezeichnen, weist uns hin auf den Wert von selbstverständlich Gewordenem. Es kann Achtsamkeit hervorrufen im Umgang damit. Doch wenn zu vieles fragil wird, ist es schwierig, den nötigen Halt zu finden. Wenn Einkommen und Zukunftsperspektiven wegbrechen, werden Familie und Freundeskreis wichtiger. Doch auch Beziehungen werden als fragil erlebt, sind weder unverbrüchlich noch garantiert stabil. Fragilität ist allerdings viel mehr als eine Problemanzeige, sie trägt grosses Veränderungspotential in sich. Was fragil geworden ist, gerät in Bewegung, stellt sich in Frage, muss sich anders begründen, macht anderem, Neuem Platz. Dieses Potential zeigt sich etwa am fragilen Verhältnis der Geschlechter zueinander.
Wer sich zu Fragilität äussert, wird selber fragil. Selten haben wir die Beiträge einer FAMA als so kontrovers empfunden, exponiert und angreifbar, verletzlich und möglicherweise auch verletzend. Sie zu einem Heft zu komponieren, erwies sich als fragile Gratwanderung – nicht zuletzt weil dies auch bedeutete, Kritik innerhalb der kleinen feministisch-theologischen Gemeinschaft in der Schweiz stehen zu lassen, um nicht Verschweigen und Anpassung zu reproduzieren.
Die Künstlerin Eliana Heredia arbeitet bei ihren Installationen mit Materialien, die sich durch Gebrauch oder durch Einfluss von Wasser, Luft oder Temperatur verändern. Die Bilder der von ihr erschaffenen Gebilde führen in fragile Landschaften voller Kraft.

Ursula Vock

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