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Inhaltsübersicht

Das Heft widmet sich dem Wörtchen genug oder viel mehr seiner Bedeutung in verschiedenen Lebenszusammenhängen und der Einbettung im spannungsvollen Gewebe zwischen zu wenig und übermässig viel, gerade genug und Fülle.
So werden aus feministischer Perspektive Überlegungen zu einem bedingungslosen Grundeinkommen angestellt, der Sehnsucht nach einem Mehr wird in biblischen Bezügen, im Märchen und in der Spiritualität nachgegangen. Es wird nach dem individuellen Sättigungsgefühl gefragt, und der Bogen zu ökonomischen und ganz handfesten alltäglichen Zusammenhängen geschlagen.

Eine Sammlung von >>> Links zum Thema Grundeinkommen am Ende der Seite

  • Editorial
  • Tania Oldenhage
    Nicht genug

    Zum Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
  • Ina Praetorius
    Marktplatzphilosophie
    Unterschriften sammeln für ein bedingungsloses Grundeinkommen
  • Béatrice Bowald
    Nachdenkliche Marktgängerin
    Überlegungen zum bedingungslosen Grundeinkommen
  • Reinhild Traitler
    Damit ihr allezeit volle Genüge habt
    Biblische Spuren
  • Uta von Winterfeld
    Ça suffit!
    Anmerkungen zu Suffizienz und Herrschaft
  • Moni Egger
    Was ist genug?

    Ilsebills Streben und Hansens Glück
  • Sabina Poulsen
    Genug – ein Lebensgefühl
  • Sabine Tscherrner-Babl
    «Solo Dios, basta!»

EDITORIAL

Simone Rudiger

Zu viel – mehr als genug – genug – gerade genug – nicht genug – zu wenig …

Gerne würde ich das Wörtchen genug steigern können. Doch immer wieder gesellen sich neue Begriffe hinzu, die ich nicht in die Reihenfolge einpassen kann: Ist knapp weniger als gerade genug, ist zu viel mehr als mehr als genug? Und dann möchte ich noch die biblische Fülle einreihen, die Prophezeiung, auf die ich als Theologin immer verweise, die meine Hoffnung ist. Wenn ich an das Angebot in unseren Einkaufsläden denke, könnte die Steigerung gegen oben für mein Empfinden in viel zu viel bis hin zu masslos gehen. Überhaupt: Bei diesem Thema habe ich zuallererst immer Bilder von Nahrung im Kopf. Die Auswahl von zwanzig Mayonnaise-Sorten beim Grossverteiler. Die Sorge meines übergewichtigen Vaters, es könnte zu wenig zu essen im Haus haben. Das Gemaule meiner Kinder am Esstisch. Meine Freude an einem Dessertbuffet. Die leeren Blicke hungernder Menschen …

Meine Freundin Fay engagiert sich in der food waste (Lebensmittelverschwendung)-Bewegung. Die Initiative sensibilisiert für die tägliche Nahrungsmittelverschwendung. In der Schweiz sind es mindestens ein Drittel aller Esswaren, die nicht in einem Magen, sondern im Abfall landen: Das macht täglich 320 Gramm pro Person! Die EssensretterInnen versuchen einerseits, uns, die wir in nahrungsmittelreichen Weltgegenden leben, zu motivieren, sorgsam mit Essen umzugehen. Andererseits gelangen sie an die Lebensmittel produzierende und reglementierende Seite: Zu viel wird bereits auf den Feldern liegen gelassen, wird kurz nach Ladenschluss entsorgt – food waste hat lokale wie globale Folgen und muss auch politisch angegangen werden.
Meine Freundin ging eine Zeit lang regelmässig «Müll tauchen»: Sie sammelte noch Brauchbares aus den Müllcontainern hinter den Läden. Bis zu neunzig Prozent ihrer Mahlzeiten stammten aus dem, was andere wegwerfen – genug für Fay. Heute sind die Container verschlossen: Ihr Inhalt könnte dem Ansehen der BesitzerInnen schaden.
Ich sehe Bilder von Kindern, die sich anderswo von Müllbergen ernähren müssen – genug ist das nicht für sie …

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