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Inhaltsübersicht

Hat die Pause ein Geschlecht? Pausieren Frauen anders als Männer? Das Pausemachen hat in unserer Zeit an Bedeutung gewonnen. Doch wie genau wir als Frauen, Mütter, PartnerInnen, Berufstätige oder sozial Engagierte Pause machen – im Alltagsstress oder auf der Karriereleiter – hat womöglich ganz unterschiedliche persönliche und gesellschaftliche Folgen. Die neue Ausgabe der FAMA beschreibt die Bedeutungsvielfalten von Pause aus feministischer Sicht.

Die politischen Dimensionen von Pause, auch in Bezug auf das aktuelle Flüchtlingsdrama, nimmt die Theologin Li Hangartner auf. Die Theologin Verena Naegeli schreibt über ihre Erfahrungen einer Berufspause, die Religions- und Genderwissenschaftlerin Léa Burger hinterfragt die sozialen Strukturen von Pausenräumen. Moni Egger, Theologin und FAMA-Redaktorin, thematisiert die Pause zwischen den Jahren während der Rauhnächte und die Alttestamentlerin Ursula Rapp erinnert in ihrem Beitrag an den sozialen Auftrag der hebräischen Bibel durch Jobeljahr und Sabbatjahr, Gerechtigkeit zu schaffen. Über ihre ganz persönlichen Pausen in unterschiedlichen Lebensphasen berichten die Pfarrerinnen Esther Imhof und Esther Burri. Zum Abschluss zeigt die Theologin Claudia Mennen, wie Religion im Bibliodrama zur Unterbrechung werden kann.

 

  • Editorial
  • Li Hangartner
    Politisierung des Schweigens
  • Verena Naegeli
    «Ich mache eine Menopause»
    Theologische Erkenntnisse
  • Léa Burger
    Das WC als Pausenraum*
    Soziale Raumstrukturen hinterfragen und umdeuten
  • Moni Egger
    Zwischen den Jahren
    Die zwölf Rauhnächte als Aus-Zeit
  • Ursula Rapp
    Die Pause braucht uns
    Das Jobeljahr als Werkzeug der Gerechtigkeit
  • Esther Imhof
    Babypause
    Facetten einer Lebensphase
  • Esther Burri
    «Lueg und lauf»

    Pensioniert pausieren
  • Claudia Mennen
    «Religion ist Unterbrechung»
    Bibliodrama mit den zehn Jungfrauen

* Dieser Artikel ist auf: famabloggt.wordpress.com

EDITORIAL

Nadja Troi-Boeck

Pausen einzuhalten und auszuhalten ist nicht immer einfach. Eine der schwierigsten Pausen war für mich im Vikariat die Pause in der Liturgie. Diese Stille auszuhalten gelang nur, indem ich innerlich vor mich hinzählte: 21, 22, 23 … Ich stellte in Frage, ob diese Pause während eines Gebetes wirklich sinnvoll war und nicht einfach nur ein überkommener Zwang. Ich empfand sie als technisch, konnte keine spirituelle Erfahrung daraus entnehmen. Wozu also die Pause in der Liturgie?

Das Wort Pause kommt aus dem Griechischen von (ana-) paūsis. Ruhe, Rast bedeutet das Wort. Mittelhochdeutsch bekommt es dann den Sinn von Unterbrechung. Biblisch geht das Versprechen der Pause für die Seele (Matthäusevangelium 11,28f.) an alle Menschen, Frauen und Männer. Der Pause bedürfen wir. Rastlosigkeit macht auf Dauer krank. Die Pause für die Seele wird in einigen Bibelübersetzungen mit Erquicken wiedergegeben. Die Pause – eine Erquickung für Körper und Seele.

Tatsächlich ist die Pause aber im Sinne einer totalen Unterbrechung die Mitte der christlichen Liturgie. Der Tod als definitive Unterbrechung wird in den biblischen Erzählungen überwunden. Dieser Zeitriss, mit dem biblisch etwas ganz Neues beginnt, ist Ausgangspunkt des liturgischen Kirchenjahres und in jeder Abendmahlsfeier erinnert.

In Gottesdiensten ermöglichen manchmal erst die Pausen in der Liturgie einen Unterbruch in Wortschwällen oder Worthülsen. Stille als Pause in der Liturgie kann Ruhe ermöglichen, wodurch Raum für anderes entsteht: für eigene Gedanken, für Leere, für Sammlung, für Gebet, vielleicht auch, um einfach ein wenig wegzudösen. Einen Moment lang keine Worte aufnehmen, sondern abwarten, was in uns an Bildern auftaucht während dieser Pause.

Heute, viele Gottesdienste nach meinem Vikariat, ist es gerade die Pause in der Liturgie, die für mich als Gottesdienstleiterin besonders wichtig ist. Inzwischen nicht mehr nervös, sondern wissend, wie intensiv eine solche Pause gefüllt ist, werden die Pausen in meiner Liturgie immer länger.