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Inhaltsübersicht

«Haut» heisst das Thema der neuesten Nummer der feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA. Während es im Märchen möglich ist, die alte Haut einfach abzulegen, bleibt sie den meisten von uns zeitlebens erhalten. Sie verändert sich mit uns, inspiriert zu Bildern und erzählt Geschichten. Sie bietet gleichzeitig Schutz und Kontaktmöglichkeit zur Aussenwelt. Um gesellschaftliche Grenzen festzulegen oder zu überschreiten wird sie bedeckt oder entblösst, gebleicht, bemalt, geglättet, gesalbt oder durchstochen. Über Haut im Frauenleben, Haut in der Bibel, Haut in der Sprache, hellere und dunklere Haut teilen unsere Autorinnen Erfahrungen und Gedanken. Es schreiben Gabriela Wild, Moni Egger, Eske Wollrad, Christina Sasaki Wallimann, Silvia Schroer, Angela Römer-Gerner und Jacqueline Sonego Mettner. Die Hautbilder der Künstlerin Heinke Torpus verbinden Sinnliches mit Zeichenhaftem und vertiefen das Lesevergnügen.

  • Editorial
  • Gabriela Wild
    «Meine Haut ist eine Sprache …»
  • Moni Egger*
    Die alte Haut ablegen
    Ein Märchenmotiv
  • Eske Wollrad*
    Selbstverständlichkeiten
    Zur Normalität von Weisssein
  • Christina Sasaki Wallimann
    Was die Haut offenbart **
    Erlebnisse und theologische Einsichten
  • Silvia Schroer*
    Mit heiler Haut
    Die Bedeutung der Haut in der Bibel
  • Angela Römer-Gerner
    «Was für eine Frau!»
    Auf der Spur der Schwarzen Madonna
  • Jacqueline Sonego Mettner
    Lebensspuren
    Was die Haut erzählt

* Hörzusatz, Langfassung bzw. Version mit Bildern auf dem Blog
** Dieser Artikel ist auf: famabloggt.wordpress.com

EDITORIAL

Sabine Scheuter

Was für Kleider trägt frau an einer Konferenz christlicher Frauen in Kairo? Beim Kofferpacken vor zwei Monaten war ich schlicht ratlos. Die Temperaturen würden schon sommerlich warm sein, doch alle Bestandteile meiner Sommergarderobe schienen mir zu weit ausgeschnitten, zu eng anliegend oder zu transparent zu sein. Die Frage nach den Prioritäten im Verhüllen forderte mich heraus! Ich war gespannt, wie unsere ägyptischen Gastgeberinnen sich präsentieren würden. Dass sie als Christinnen kein Kopftuch tragen, war mir bekannt. Auch dass sie auf aktuelle Mode grossen Wert legen, wusste ich von ihren Besuchen in der Schweiz. Ihr Umgang mit der Verhüllungsfrage erstaunte mich dennoch: Auch in Ägypten war ihre Kleidung sehr figurbetont. Leggins sind viel weiter verbreitet als bei uns. Haut jedoch war bei den meisten Frauen ausser im Gesicht und an den Händen nicht zu sehen. Das Zeigen von Haut scheint demnach tabuisierter zu sein als das Sichtbarmachen weiblicher Formen.

Haut ist offensichtlich ein Ort gesellschaftlicher Deutungen. Um gesellschaftliche Grenzen festzulegen oder zu überschreiten wird sie bedeckt oder entblösst, gebleicht oder bemalt, geglättet, gesalbt oder durchstochen. Weshalb kommt ausgerechnet der Haut eine derart grosse Bedeutung zu? Sie stellt eine Grenze im doppelten Sinn dar: Schutz gebend, abgrenzend zwischen dem Ich und der Aussenwelt, definierend durchaus auch im einengenden Sinn. Und gleichzeitig Ort des Übergangs, der Kontaktmöglichkeit, der Überwindung von Grenzen. Dann kann sie einladen zu Berührungen oder davon erzählen, was sich durch sie und über sie alles erfühlen, erfahren, erleben lässt – und was dies für Spuren hinterlässt in einem Frauenleben.

Haut in vielerlei Gestalt zeigt sich auch in den Bildern der Künstlerin Heinke Torpus, die – wie schon für die FAMA 2/2010: Namen – für diese FAMA eine eigene Bildreihe geschaffen hat. Sie verbindet darin Bild und Wort, Sinnliches mit Zeichenhaftem, und schafft so neue Sinn-Bilder, die auf die vielfältigen Bedeutungsebenen von Haut hinweisen. Ihre Gedanken dazu wurden von Béatrice Bowald aufgezeichnet und sind auf dem >>> Blog nachzulesen. Wir danken für Bilder und Gedanken gleichermassen und wünschen Leseerfahrungen, die unter die Haut gehen.