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Inhaltsübersicht

Sexy ist es nicht, das Alter. Aber es betrifft uns alle, früher oder später, als Individuen wie als Gesellschaft. Da viele Altersfragen auch explizite Frauenfragen sind, widmet sich die neue FAMA mit sieben Beiträgen dem Thema „alt“: Ja, wie ist das nun genau, mit dem Sex im Alter? Werden Alte ganz automatisch weise, und wie wohnen sie denn am besten? Von einer Grossmütterrevolution ist die Rede und davon, wozu man diese alte Bibel eigentlich noch in die Hand nehmen soll. Eindringlich sind die Artikel über Care-Migration und über Alterssuizid. Gerade hier sind Frauen auch aufgrund fixer Rollenmuster vielfältig involviert. Eine FAMA, die zu lesen sich lohnt, ganz egal, wie alt Sie sind.

  • Editorial
  • Monika Stocker
    Alt und widerständig
    Politik aus Leidenschaft
  • Christa Gubler
    Sex trotz(t) Alter
    Zärtlichkeit und Sexualität haben kein Verfallsdatum
  • Verena Szentkuti-Bächtold
    GenerationenWohnen
    Wohnform mit Zukunft
  • Rahel Rivera Godoy-Benesch
    «Komm süsser Tod»
    Frauen und Alterssuizid
  • Sarah Schilliger
    Globalisierte Alterspflege *
    Care-Migration in zwei Richtungen
  • Ingrid Riedel
    Das Leben meistern
    Die Symbolik der weisen Alten im Märchen
  • Sigrid Eder
    Das alte Buch Bibel

(* Dieser Artikel ist auf: famabloggt.wordpress.com)

 

EDITORIAL

Christine Stark

Da ist diese sehr junge Frau, eher Mädchen als Frau, oder sagen wir’s mal so: angeblich so ziemlich gewiss Jungfrau, jedenfalls das Idealbild jugendlicher Zartheit. Und irgendwo in den Hintergrund geschnitzt oder gemalt steht ein alter Mann herum. Altväterlich wie er ausschaut, könnte er ihr Vater wenn nicht gar Grossvater sein. Doch ist es ihr Mann, aber dann auch irgendwie nicht ganz der Vater ihres Kindes, allerdings auf gewisse Weise schon, wird das Kind doch später auch Zimmermannssohn genannt werden. Wenn der Beziehungsstatus «Es ist kompliziert» irgendwo angebracht ist, dann hier. Der arme Josef könnte einer fast leidtun: Biblisch wissen wir kaum etwas über ihn, schon gar nicht, wie alt er war, als Jesus geboren wurde. Jedenfalls wurde er nicht nur in den Hintergrund, sondern auch ins Alter geschoben. Es ist schon eigenartig, wie die Altersstruktur von Krippenfiguren gegendert ist: Das Alter ist männlich, die Jugend weiblich, das Neugeborene, nunja, göttlich.

Die christliche Ikonographie kennt einen weiteren «alten Mann», der zwar schon lange nicht mehr gemalt wird, sich aber samt Rauschebart in vielen Köpfen – auch jungen – beharrlich hält: Gott, der/die Ewige. Wie absurd, etwas vor und jenseits aller Zeit ein Alter geben zu wollen. Wie verfehlt, Gott nicht nur mit einem Geschlecht, sondern auch noch mit einem Alter fixieren zu wollen; mal ganz abgesehen vom guten alten Bilderverbot.

Dabei ist Alter und altern einfach nur menschlich, es beginnt mit unserer Geburt und beschäftigt uns immer wieder, ein Leben lang. Anders als in Krippendarstellungen und kirchlichen Deckengemälden gehört zu «alt» häufig «weiblich». Diesen Zusammenhang beleuchten die Beiträge dieser FAMA aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Ganz egal, wie alt Sie sind, ich wünsche gute Lektüre!