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Inhaltsübersicht

Die aktuelle Ausgabe der FAMA trägt den Titel «Frauen Recht Religion» und beleuchtet das schwierige Verhältnis zwischen dem humanistischen Anspruch der Religionen Christentum, Islam und Judentum einerseits und den institutionellen und rechtlichen Traditionen bezüglich der Gleichstellung von Frauen und Männern in den Religionen andererseits. Bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts sind Frauen als theologische Amtsträgerinnen und Deuterinnen theologischer Schriften in weiten Kreisen ausgeschlossen. Die Beiträge beleuchten exemplarisch die Auseinandersetzung mit dieser Spannung auf verschiedenen Ebenen.

 

  • Editorial
  • Interview mit der UN-NGO-Delegierten
    Esther R. Suter
    Frauenrechte weltweit*
  • Katerina Karkala-Zorba, Renate Put, Fatima Rubi
    Drei Konfessionen – drei Perspektiven
  • Valérie Rhein
    Kleiner Unterschied, grosse Wirkung
    Gebotshierarchien in Tora und rabbinischer Literatur
  • Simone Curau-Aepli
    Zwischen zwei Rechtsordnungen
    Schweizerischer Katholischer Frauenbund
  • Elham Manea
    Scharia

    Das islamische Gesetz und die Frauenrechte
  • Moni Egger
    Gleiches Recht für alle?
  • Sabine Scheuter
    Drei Hochzeiten und ein Todesfall
    Geschichten zu Frauenrechten rund um Trauungsrituale
  • Karin Finsterbusch
    Frauen-Recht in der Hebräischen Bibel

* Dieser Artikel ist auf: famabloggt.wordpress.com

EDITORIAL

Jeannette Behringer

Als «unheilige Diskriminierung» benennt die Juristin Denise Buser den Widerspruch zwischen Rechtssystemen in den grossen Religionen Christentum, Islam und Judentum einerseits und der Gleichstellung von Frau und Mann in den entsprechenden Institutionen andererseits. Bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts (!) bestehen eklatante Verletzungen dieses Grundrechts, was letztendlich eine Beschneidung des Menschenrechts auf Würde und freie Entfaltung für Frauen darstellt, indem diese aus Weiheämtern und zentralen Leitungspositionen ausgeschlossen werden. Damit kommt nach wie vor mehrheitlich Männern und der entsprechend als «männlich» definierten Rolle die Macht zu, Theologien zu deuten sowie die Art und Weise der Interpretation – textuell oder historischkontextuell – zu bestimmen. Diese Realität zementiert das Verständnis von einem als «männlich» konnotierten Göttlichen und damit der «Nachrangigkeit» des «Weiblichen», projiziert auf Frauen und entsprechende Rollenzuschreibungen. Dies bestimmt bis weit in die Gesellschaft hinein die Position von Frauen – mehr als uns lieb sein kann.

Selbstverständlich haben sich Frauen in den Institutionen seit langem aufgemacht. Die Erneuerungen reichen von der Einnahme theologischer Ämter unter neuen Bezeichnungen, der Ausübung zivilen Ungehorsams bis hin zur Etablierung feministischer Theologie. Ohne die Frauenbewegung, der Forschungs- und Bildungsarbeit an den Hochschulen und auch ausserhalb wäre es wohl nie so weit gekommen. Und es gilt die individuelle Ebene zu sehen, indem sich Frauen ermächtigen, ihre Religiosität auch jenseits der Tradition und Konvention zu leben, sich zu emanzipieren von exklusiven theologischen Interpretationen.

Die Veränderung institutioneller Realität und damit der Zugang zu gesellschaftlicher Definitionsmacht muss meines Erachtens das Ziel der feministischen Bewegung bleiben. Dabei dürfen Religion und Feminismus nicht gegeneinander ausgespielt werden: Die Toleranz religiöser Interpretationen hat dort ihre Grenze, wo Frauenrechte eingeschränkt werden.