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Inhaltsübersicht

Putz hat mit Schmuck zu tun, aber eben auch mit Schmutz. Das Herausputzen ist beliebter als das Wegputzen, wenn auch letzteres meist nötiger ist. Geputzt wird immer, oft ungern, es braucht Wochenpläne oder gleich Outsourcing. Geputzt wird immer, und immer noch ist es vor allem Frauensache, auch in Männerräumen. Denn zum Putzen kommen Frauen problemlos in Teppichetagen oder in den Altarraum. Und wer war eigentlich um die irdische Reinheit des biblischen Allerheiligsten besorgt? Die FAMA denkt gründlich übers Putzen nach und räumt mit verstaubten Vorstellungen auf. Denn: Geputzt wird immer.

Ina Praetorius
Gut leben mit Scheisse*
Oder: Materie bleibt

Rahel El-Maawi
weiss und Schwarz
Eine Kritik rassistischer Sauberkeits­metaphern

Nadia Baghdadi
Wer putzt die Schweiz?
Von der Frauenarbeit zum Migrantinnenjob

Geneva Moser/ Noa Zenger
Frühlingsputz!
Fasten macht frei für sich, die Welt und Gott

Katharina Zaugg
Achtsame Raumpflege
Aus Putzen wird PutZen

Moni Egger
Da muss mal geputzt werden!
Vom «Mannl Spanneland» und der katholischen Kirche

Katja Wißmiller
Ab-fall von GOTT

* Dieser Artitkel ist auf famabloggt.wordpress.com

Editorial

Christine Stark

Beim Ausmisten fand ich in einer staubigen Ecke un­ter einem Stapel von Altpapier ein uraltes Manuskript. Vorsichtig wischte ich die Spinnweben ab und las auf dem mit Tintenklecksen und Marmeladeflecken ver­schmierten Fetzen: «Amen, ich sage euch, Gott ist wie eine Putzfrau. Staub und Asche, Elend und Un­recht mag sie nicht, Abfall ist ihr ein Gräuel. Frische bringt sie und verheisst Putz statt Schmutz. Gott putzt die Menschen heraus mit priesterlichem Kopf­schmuck und Brautgeschmeide. Denn sie bringt Gerechtigkeit für alle und ein Leben in Fülle. Wer Augen hat, zu lesen, lese.» Wie auch immer dieses apokryphe Gleichnis in meine Rumpelkammer kam, die Person, die es überliefert hat, kannte Jesaja 61 gut. Auch ist durchaus denkbar, dass Jesus selbst einmal von den Versen 3 und 10 sprach.

Als ich nun beim Staubsaugen über das Gleichnis nachdachte, merkte ich, dass ich häufig den Schmutz und kaum den Putz im Blick habe. Ich schau mir den Staub vergangener Tage an und blockiere meine Ge­genwart mit dem Gedanken, dass noch aufgeräumt und gewischt werden müsste. Darüber vergesse ich ganz den Aspekt des Herausputzens: «Putz statt Schmutz» eben, wie das «Kopfschmuck statt Asche» aus Jesaja 61,3 knackiger wiedergeben werden kann. Wer sich herausputzt, möchte etwas feiern; es müs­sen ja nicht gleich Brautschmuck und eine Hochzeit sein. Doch beim Herausputzen spielen die Vergan­genheit und auch die unmittelbare Gegenwart kaum eine Rolle, vielmehr kommt Zukünftiges in den Blick: eine Begegnung, ein Konzert, ein Fest. So steht ein geputzter Mensch für die Schönheit des Lebens, ja ein bisschen vielleicht auch für den Himmel auf Erden. Das aufgestöberte Gleichnis von der Putzfrau Gott hat samt der Verheissung von Putz statt Schmutz meinen Blick ein wenig verschoben. Zwar muss wei­terhin immer mal wieder der irdische Staub beseitigt werden, und das ist auch gut so, sonst hätte ich ja das Gleichnis nicht gefunden. Aber Putzen erstrahlt für mich nun in einem ganz anderen Glanz. Es ist mehr als Saubermachen. Und darüber nachzudenken, lohnt sich. Ich wünsche eine gute Lektüre!