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Inhaltsübersicht

Die FAMA geht an die Grenze. Und einen Schritt weiter. Wir loten aus, was sich im sogenannten Niemandsland abspielt, was nicht hier ist und nicht dort aber doch da. Streifzüge im Dazwischenraum. Überzeugt, dass gerade hier Gott hockt, wo es eng ist und uneindeutig.

Veronika Jehle
Gottes Gewandsaum*
Zwischenmenschliches am Krankenbett

Amira Hafner-Al Jabaji
Multi-, inter- oder transreligiös?

Bettina Wiesendanger
Die Sprache der Vögel
Seelsorge in Untersuchungshaft

Moni Egger
Gottgestreift, Geistverbunden
Systemische Arbeit mit Bibelgeschichten

AnouchK Ibacka Valiente
Wolkenstreicheln
Auf der Suche nach meinem spirituellen Weg

Renata Huonker-Jenny
Eine niedere Schwelle
Begegnungen an der Pfarrhaustür

Ina Praetorius
GOTT dazwischen
20. Januar bis 24. Februar 2019

* Dieser Artitkel ist auf famabloggt.wordpress.com


Editorial

Geneva Moser

Vor einigen Tagen musste ich in Bern länger auf einen Zug warten und habe deshalb den Warteraum im Bahnhof gesucht. In der Bahnhofshalle gibt es zwar Wartemöglichkeiten, die Kombination von warm, gemütlich und kostenlos existiert allerdings nicht. Wer kein Geld ausgeben will oder kann, hat hier keinen Platz. Der Wartesaal ist unter der Rolltreppe versteckt. Hier sitzt mensch in Reihen, schaut in dieselbe Richtung, die Stühle sind hart. Die Luft ist dick: ein Geruch von Alkohol, ungewaschenen Körpern und Kleidern, Essen. Ein Ort, wie aus der Zeit gefallen, eine Lücke im Fahrplan, ein Fehler in der Zeitplanung. Ich bin froh, weiss ich, oder glaube ich zu wissen: Mein Aufenthalt hier ist begrenzt. Mein Zug kommt, nimmt mich wieder mit an die nächste Station, weiter im Leben.

Im Wartesaal fällt schnell auf: Die, die hier sitzen, sind öfter hier, kennen sich, kennen diesen Raum. Kommt eine_r herein, grüsst er oder sie in die Runde, tauscht da und dort ein Wort, reicht ein Bier, stellt eine Frage. Hinter mir führt eine Frau laute Selbstgespräche. Freundliche, unterhaltsame, kluge Sätze, aber ohne Gegenüber. Eine junge Frau streichelt ihre beiden Hunde. Ihr Körper zittert, ihr Blick ist starr. Zwei sind in ein Gespräch vertieft, teilen alltägliche Sorgen zweier Leben auf der Gasse und die kleinen Kämpfe um Selbstbestimmung.

Die Intimität dieser Szenen macht mich verlegen. Ich fühle mich, als wäre ich aus Versehen in das Wohnzimmer mir fremder Menschen gestolpert. An einen Ort, an dem das Warten nichts Vorübergehendes, sondern zur Existenz geworden ist.

Diese FAMA sitzt im Wartesaal, sucht im Dazwischen, fragt nach dem, was nicht hier ist und nicht dort, aber doch da. In den persönlichen Berichten scheint manchmal das Überraschende auf: dass gerade (auch) hier Gott hockt, in der Lücke, da wo es eng ist, ungemütlich und uneindeutig – eng verwoben mit dem eigenen und dem einander Erleben.