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Inhaltsübersicht

Dann bleibt nur noch Beten! – Ausrede oder besondere Kraft, Anfang einer Handlung oder des Däumchendrehens? Was ist Macht und Kraft des Gebetes, wo bewegt es und wo wird es übergriffig, wo vereinnahmend und wo gänzlich unangebracht? Gebetet wird schon seit tausenden Jahren und heute immer noch, selbst in politischen und ganz säkularen Kontexten, mit alten überkommenen Worte und auch ganz ohne Sprache. Alles nur frommes Getue oder wichtige gemeinschaftbildende, bewegende Gottesanrede? Wer wird denn da überhaupt angesprochen im Gebet? Den ambivalenten Erfahrungen mit dem wagen Gefühl, das durch das Gebet ausgelöst wird, dass da etwas trägt und den Erfahrungen, wie Gebete missbraucht werden, um andere zu belehren und zu erniedrigen widmet sich die nächste FAMA. Amen.

Tsena Malalaka
Gebete

Jacqueline Keune
Wie ein Raum aus Atem
Annäherung an das Beten

Maria Regli
beten bewegt oder bewegt beten
mit und ohne worte

Valérie Rhein
Beten wie Hanna*
Eine kinderlose Frau als Vorbild

Corinne Maier
Beten auf Rezept

Susanne Andrea Birke
Ins Gebet nehmen

Rifa’at Lenzin
Bettag 2030
Aufruf aus muslimischer Sicht

Isabelle Deschler
Politisches Gebet
Den wachen Blick üben

Tsena Malalaka
Gebet

* dieser Artikel ist auf famabloggt.wordpress.com

 


Editorial

Was ist die Macht des Gebets? Zufall oder Fügung will es, dass unsere FAMA-Nummer zum Beten in die Corona-Krise fällt. Die Aufrufe zum Beten durch die Landeskirchen sind sehr präsent. Ebenso gibt es inter- religiöse Gebete für das Ende der Krise. Wenn keine Gottesdienste in direkter physischer Gemeinschaft mehr möglich sind, rufen die Kirchen die Menschen zum Gebet. Zum Gebet gegen die Krise, für das Ende der Krise, zum Durchhalten, zu Gemeinschaft im Gebet, wo es physisch nicht mehr möglich ist. Mir persönlich wurden plötzlich alte Gebetstradition wie Tagzeitengebete wichtig, beim Läuten der Betzeit- glocken. Das gab Rhythmus in einer völlig entrhyth- misierten Zeit und auch Halt. Das Geläut der Kirchen- glocken gab es vor der Krise auch, hatte für mich aber nie eine Bedeutung. Jetzt ist es anders. Und doch auch hier die Frage, welche Macht hat das Gebet? Ist es eine Vertröstung, gibt es wirklich Kraft? Ist es einfach die einzige Form, wie sich Kirche in der Zeit der physischen Distanz den Mitgliedern in Erinne- rung rufen kann, oder ist es tatsächlich eine Möglich- keit, gemeinsam etwas zu bewegen? Von staatlicher Seite wird dem Gebet viel Vertrauen entgegengebracht, hat doch der Bundesrat selbst dazu aufgefordert, die Kirchen auch während des Lock- downs offen zu lassen, damit Menschen zum Beten hineingehen können. Aber was nützt all das Beten, wenn real durch den Lock- down die häusliche Gewalt zunimmt, viele Menschen auch in reichen Ländern plötzlich mit Existenzängsten konfrontiert sind und in den ärmeren Ländern die Gefahr von Hunger und Leid Tatsache wird, weil die Menschen durch die Coronakrise keine Möglichkeit mehr haben, ihre Familien zu ernähren, und Gesund- heitsversorgung so oder so nicht existent ist? Die Frage bleibt also, wozu beten? Die verschiedenen Artikel beleuchten die Erfahrungen rund um das Beten, geschrieben noch vor Corona – nun stellen sie erst Recht die Frage nach Macht und Ohnmacht des Betens.

Nadja Boeck